DEUTSCHER FILMPREIS 2013
nominiert BESTER DARSTELLER
nominiert BESTES DREHBUCH

Studio Hamburg Nachwuchspreis 2013
BESTE REGIE

Internationales Filmfest Emden-Norderney 2012
BERNHARD WICKI PREIS
NDR FILMPREIS FÜR DEN NACHWUCHS
DGB FILMPREIS

MOSTRA Sao Paulo International Film Festival 2012
BESTER HAUPTDARSTELLER - EDIN HASANOVIC

Günter-Strack-Fernsehpreis 2013
BESTER DARSTELLER - EDIN HASANOVIC

SCHULD SIND IMMER DIE ANDEREN

Synopsis

Ben bekommt im idyllisch gelegenen „Waldhaus“ die einmalige Chance auf einen Neuanfang. Als einer von sieben jugendlichen Straftätern soll er in der familiären Gemeinschaft soziale Kompetenz erlernen und Geborgenheit erfahren. Doch als er auf seine Hausmutter Eva trifft, ist er geschockt: Sie ist eines seiner Opfer. Sein brutaler Überfall auf sie wurde nie aufgeklärt. Während Ben alles versucht, um in der Gruppe nicht aufzufallen, wächst in Eva der Verdacht.

LÄNGE
93 Min
FORMAT
RED, 2,40:1
REGIE
Lars-Gunnar Lotz
DREHBUCH
Anna Maria Praßler
PRODUZENTEN
Matthias Praßler, Philipp Knauss, Sebastian Sawetzki, Manuel Challal
REDAKTION
Brigitte Dithard (SWR), Nadja Dumouchel (ARTE)
KAMERA
Jan Prahl
DARSTELLER
Edin Hasanovic, Julia Brendler, Marc Ben Puch, Pit Bukowski, Natalia Rudziewicz

Was ist das Thema des Films, wie sind Sie darauf gekommen?
Ganz am Anfang war da einfach nur die Idee, etwas über Sozialarbeiter zu machen. Das klingt zuerst einmal etwas langweilig. Aber in meinem Freundeskreis arbeiten viele im sozialen Bereich und die Geschichten von ihnen hörten sich immer sehr spannend an. Ich denke, deren Arbeit findet in Filmen wenig Beachtung. Außerdem habe ich selber viele Jahre ehrenamtlich mit Jugendlichen gearbeitet. Meine Autorin Anna Maria Praßler und ich suchten also nach einem besonderen und spannenden Ansatz. Durch Zufall sind wir dann auf das Seehaus Leonberg gestoßen, eine Einrichtung des Freien Vollzugs, die es in dieser Art kein zweites Mal gibt. Hier erleben jugendliche Straftäter häufig das erste Mal, was Familie ist, indem sie mit den Sozialarbeitern und deren Familien zusammen wohnen. Im Verlauf der Recherchen bekam ich einen immer größeren Respekt vor den Jungs, die hier ein straffes Programm ableisten, um ihre Chance zu nutzen, ein neues Leben zu beginnen. Die Mitarbeiter haben mir ebenso imponiert, denn deren Engagement geht häufig weit über das rein Berufliche hinaus. Ausgehend davon haben wir dann die Geschichte des Straftäters Ben entwickelt, der eben in solch einer Einrichtung überraschend auf eines seiner Opfer in Gestalt der Sozialarbeiterin Eva trifft. Ben findet gegen seinen Willen das erste Mal in seinem Leben zu sich selber und somit auch zu etwas, was wir Gewissen nennen. Mir war es ein großes Anliegen, nicht von hoffnungslosen Fällen und gewalttätigen „Tieren“ zu erzählen, als die man sie häufig abstempelt. Vielmehr wollte ich zeigen, was es bedeutet, wenn man sich für sie einsetzt und dabei intensiv mit ihren Taten konfrontiert. Ich wollte eine Geschichte erzählen, die solche Jungs nicht aufgibt, sondern an sie glaubt. Außerdem fand ich es interessant, über eine Figur wie Eva zu erzählen, die auf einmal selbst zum Opfer derer wird, für die sie sich bisher eingesetzt hat und die dadurch anfängt, an ihren Idealen zu zweifeln. Durch diese Situation wird sie gezwungen, sich mit ihren eigenen Abgründen auseinander zusetzen.

Funktioniert das Waldhaus im Film genauso wie die Einrichtung in der Realität?
Zu einem Großteil schon. Es gibt im Seehaus Leonberg natürlich noch weitaus mehr Regeln und wöchentliche Ereignisse. Alles ist komplexer. Aber wir mussten uns natürlich fokussieren auf wenige bedeutende Rituale wie die Hilfreiche Hinweise Runde oder der Heiße Stuhl.

Ist das nicht sehr gefährlich, mit Straftätern direkt zusammen zu wohnen?
Das fragt man sich natürlich. Im Seehaus Leonberg ist bisher nichts passiert. Und den Jungs wird ja großes Vertrauen entgegen gebracht, welches sie dann zumeist zurückgeben. Sie kommen dort ja nicht einfach so hin, sondern müssen sich bewerben und schon den Willen zeigen, sich ändern zu wollen. Und sobald es nur zu einem Hauch von körperlicher Gewalt kommt, geht es direkt zurück ins Gefängnis. Und da will eigentlich keiner mehr hin. Außerdem wissen sie um ihre einmalige Chance.

Wie sollte man Ihrer Meinung nach mit jugendlichen Straftätern umgehen?
Die Rückfallquote im Jugendstrafvollzug ist ja sehr hoch. Man muss sich also über Alternativen Gedanken machen. Häufig rutschen viele Jugendliche im Gefängnis nur noch mehr in die Kriminalität ab. Daher bin ich unbedingt für mehr Einrichtungen wie die des Freien Vollzugs. Dafür braucht man natürlich viele Sponsoren, politische Unterstützung und viele ehrenamtliche Mitarbeiter. Letztendlich sind hier aber die Chancen viel größer, dass die jungen Menschen wieder in ein normales Leben finden, denn es wird viel mehr gefordert und gefördert.

Wie war Ihre Zusammenarbeit mit den Darstellern?
Dies ist ja mein erster Langfilm und ich war sehr froh über die Zusammenarbeit mit der Casterin Karen Wendland. Denn diese Arbeit wird leicht übersehen. Das Casting des Ben war nicht einfach. Zwar gibt es viele junge Talente, doch wir haben jemanden gesucht, dem man sowohl die Härte eines prügelnden Straftäters abnimmt als auch die innere Zerissenheit und die Entwicklung hin zu einem empathiefähigen Jungen. Mit Edin Hasanovic hatten wir da wirklich einen absoluten Glücksfall, da er so eine wuchtige Präsenz und gleichzeitig ein sehr zartes und feingliedriges Spiel hat. Julia Brendler war von Anfang an meine Wunschbesetzung der Eva, da sie der Sozialarbeiterin eine wunderbare Wärme und Tiefe verleiht. Mit beiden, aber auch mit allen anderen vom Ensemble war es eine sehr angenehme Zusammenarbeit.

Jugendkriminalität ist ein Problem, das die Öffentlichkeit immer stärker bewegt und von dem wir alle, sei es mittelbar oder unmittelbar, betroffen sind. Die Lösung der Probleme mit der Jugendkriminalität bezeichnete die Kanzlerin Angela Merkel als eine der größten Herausforderungen des Staates. Es müssen neue Wege gefunden werden, Jugendkriminalität konsequent zu bekämpfen. Prävention ist dabei unheimlich wichtig. Doch auch Jugendlichen, die schon straffällig geworden sind, müssen Wege aus der Kriminalität aufgezeigt werden.
Als erstes Bundesland führte Baden-Württemberg „Jugendstrafvollzug in freien Formen“ als innovative Form des Jugendstrafvollzuges neben dem offenen und geschlossenen Vollzug ein. Frau Merkels Lösung, mit mehr Gefängnisplätzen und Personal Herr der Lage zu werden ist falsch! Im Gefängnis schulen sich die Insassen, wie man die nächste Straftat begeht. Um konsequenten Opferschutz zu gewährleisten und neue Straftaten zu verhindern, muss alles getan werden, damit Jugendliche zur Verantwortung gezogen werden und auf ein selbstständiges Leben in Freiheit vorbereitet werden.
Im Seehaus Leonberg, abseits von negativen Einflüssen durch andere Straftäter im Gefängnis werden die Jugendlichen darauf vorbereitet, ihren Teil für die Gesellschaft beizutragen und sich positiv darin einzubringen. In einem durchstrukturierten Tagesablauf werden die Jugendlichen konsequent gefordert. Sie müssen Leistung erbringen. Gleichzeitig werden sie in allen Bereichen (Schule, Arbeit, Sport, Musik, ...) gefördert und können sich so später in allen Bereichen in der Gesellschaft einbringen. In der Seehaus-Schule besuchen sie ein Berufsvorbereitungsjahr und bereiten sich auf den Hauptschulabschluss vor. Sie können auch das 1. Lehrjahr in den Bauberufen absolvieren. Im Seehaus Leonberg vermitteln die Mitarbeiter christliche Normen und Werte. Auf dieser Grundlage aufbauend, werden Grundtugenden wie Fleiß, Ehrgeiz, Ordnung, Disziplin, Höflichkeit, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Pflichtbewusstsein und Selbstbeherrschung abverlangt und eingeübt. Eine Mitarbeiterfamilie wohnt mit jeweils 5-7 Jugendlichen familienähnlich zusammen. Auf diese Weise wird Familienleben, das die meisten der Jugendlichen nicht kennen, vorgelebt und vermittelt. Im Seehaus Leonberg können Jugendliche ein neues Leben ohne Straftaten beginnen.
SCHULD SIND IMMER DIE ANDEREN ist die erste rein fiktionale Umsetzung, die sich dieser aus Baden-Württemberg stammenden Einrichtungsform als Haupthandlungsort bedient. In einer packenden Schuld und Sühnegeschichte beschäftigen wir uns mit dem erwachenden Gewissen auf Täterseite, sowie dem Umgang mit Rachegefühlen auf der Opferseite. Wir machen Hoffnung, das sich jeder eine neue Chance verdient und das Seehaus Leonberg schon lange nicht mehr nur ein Versuch sondern ein auflodernder Anfang ist.

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